Glossar

Drehtisch

Ein Drehtisch ist ein rotierendes Maschinenelement, das Werkstücke, Baugruppen oder Werkzeuge um eine definierte Achse dreht und in jeder Winkelposition präzise fixiert. Das Herzstück jedes Drehtisches ist sein Lager. Das Lager trägt alle auftretenden Kräfte und bestimmt Genauigkeit, Steifigkeit und Lebensdauer des gesamten Systems.

Im Unterschied zu einfachen Drehvorrichtungen ermöglicht ein Drehtisch im Maschinenbau die kontrollierte, reproduzierbare Positionierung unter Last. Ob in Bearbeitungszentren, Montageanlagen oder Prüfstationen: Der Drehtisch verbindet Bewegungsfreiheit mit mechanischer Präzision.

Aufbau eines Drehtisches

Ein Drehtisch besteht aus drei funktionalen Einheiten: der Drehscheibe als Auflagefläche für das Werkstück, dem Drehlager als tragendem Element sowie dem Antrieb für die gesteuerte Rotation.

Das Drehlager übernimmt dabei die anspruchsvollste Aufgabe. Es muss gleichzeitig radiale Kräfte, axiale Kräfte und Kippmomente aufnehmen. Für diese kombinierten Lastfälle kommen Vierpunkt-Kugellager, Schrägkugellager oder Schrägrollenlager zum Einsatz. Die Qualität des Lagers entscheidet über Laufruhe, Positioniergenauigkeit und Wiederholbarkeit.

Antriebsarten bei Drehtischen

Schneckengetriebe-Antrieb

Das Schneckengetriebe ist die klassische Antriebslösung für Drehtische. Eine Schneckenwelle treibt ein Schneckenrad an, das mit der Drehscheibe verbunden ist. Das Getriebe übersetzt hohe Motordrehzahlen in langsame, kraftvolle Rotationen. Schneckengetriebe-Drehtische sind kostengünstig, spielarm und wartungsarm. Sie eignen sich für mittlere Anforderungen an Drehzahl und Positioniergenauigkeit.

Direktantrieb mit Torquemotor

Der Torquemotor treibt die Drehscheibe ohne Getriebe direkt an. Dadurch entfällt jegliches Umkehrspiel. Das Ergebnis sind höchste Dynamik, maximale Wiederholgenauigkeit und sehr geringe Geräuschentwicklung. Direktantriebe sind die erste Wahl für CNC-gesteuerte Hochpräzisionsanwendungen, etwa in der Messtechnik, Mikrobearbeitung oder Elektronikfertigung.

Riemen- und Zahnradantrieb

Riemen- oder Zahnradgetriebe bieten eine kompakte Alternative zwischen Schneckengetriebe und Direktantrieb. Sie werden eingesetzt, wenn moderate Präzision und geringe Baugröße gefragt sind. Typische Anwendungen sind Drehtische in Prüflaboren und Messanlagen.

Drehtisch-Typen im Überblick

NC-Drehtisch und CNC-Drehtisch

CNC-gesteuerte Drehtische lassen sich frei in jede Winkelposition fahren und in Bearbeitungsprogramme einbinden. Sie werden als vierte oder fünfte Achse in Bearbeitungszentren integriert. So können Werkstücke in einem Aufspannvorgang von mehreren Seiten bearbeitet werden, ohne umgespannt zu werden.

Rundschalttisch

Der Rundschalttisch arbeitet mit fester Teilung, zum Beispiel 8 mal 45 Grad. Er taktet Werkstücke schrittweise von Station zu Station weiter. Der Fokus liegt auf hoher Schaltgeschwindigkeit und kurzen Taktzeiten. Rundschalttische sind ein zentrales Element in Rundtaktmaschinen der Serienfertigung.

Schwenktisch und Neigtisch

Schwenktische drehen das Werkstück um eine horizontale Achse. Neigtische können in definierte Winkellagen gekippt werden. Beide Varianten erweitern den Bearbeitungsraum und ermöglichen komplexe Bauteilgeometrien in einer Aufspannung.

Lagerung im Drehtisch: Was zählt wirklich

Die Lagerung ist das kritische Element jedes Drehtisches. Sie bestimmt, wie steif, wie präzise und wie langlebig das gesamte System ist. Für Drehtische im Präzisionsmaschinenbau gelten hohe Anforderungen:

  • Axiale Steifigkeit: Das Lager muss das Gewicht des Werkstücks und Bearbeitungskräfte sicher in axialer Richtung aufnehmen.
  • Kippsteifigkeit: Exzentrische Lasten und Bearbeitungskräfte erzeugen Kippmomente. Das Lager muss diese ohne Verformung aufnehmen.
  • Laufgenauigkeit: Axial- und Radialschlag des Lagers beeinflussen direkt die Bearbeitungsgenauigkeit des Werkstücks.
  • Lebensdauer: Drehtische in der Serienfertigung laufen im Mehrschichtbetrieb. Das Lager muss diese Dauerbelastung zuverlässig standhalten.

Franke Drehtische: Integrierte Lagerungssysteme

Franke entwickelt Drehtische als vollständige Lagerungssysteme. Im Mittelpunkt steht nicht der Tisch als Maschine, sondern die Lagerung als präzises Maschinenelement. Das unterscheidet Franke Drehtische von klassischen Zubehörlösungen.

Der Drehtisch Typ LTA vereint ein integriertes Wälzlager mit einem spielarmen Schneckengetriebe in einem kompakten Gehäuse aus Aluminium und Edelstahl V2A. Die Kugellaufringe bestehen aus gehärtetem und vergütetem Chrom-Silizium-Stahl. Die Wälzkörper sind aus gehärtetem Wälzlagerstahl gefertigt. Das Schneckenrad besteht aus verschleißfester Bronzelegierung. Die Schneckenwelle ist aus CK45N gehärtet und geschliffen.

Der Einsatzbereich reicht von minus 10 bis plus 80 Grad Celsius. Der Einbau ist in beliebiger Lage möglich, vorzugsweise horizontal. Die Schmierung erfolgt über Schmiernippel mit Wälzlagerfett. Optional sind induktive Näherungsschalter, Flanschkupplungen für Motoranbau sowie vollständige Motorisierungen erhältlich.

Für Anwendungen mit höchsten Anforderungen an Dynamik und Präzision bietet Franke den Direktantrieb Typ LTD mit integriertem Torquemotor.

Drehtisch Typ LTA im Detail | Drehtisch Typ LTB | Direktantrieb Typ LTD

Typische Einsatzbereiche von Drehtischen

  • Bearbeitungszentren: Fräsen, Bohren und Schleifen aus mehreren Richtungen in einer Aufspannung
  • Schweißanlagen: Gleichmäßige Rotation des Werkstücks für konstante Schweißnahtqualität
  • Montagestationen: Ausrichten und Fixieren von Baugruppen in definierten Winkellagen
  • Prüf- und Messtechnik: Reproduzierbare 360-Grad-Inspektion von Bauteilen
  • Roboterzellen: Werkstückzuführung und Positionierung für Automatisierungsanlagen
  • Medizintechnik: Präzise Rotationsachsen in Bildgebungssystemen und Operationssystemen

Häufige Fragen zu Drehtischen

Was ist ein Drehtisch im Maschinenbau?

Ein Drehtisch ist ein rotierendes Maschinenelement, das Werkstücke oder Baugruppen um eine definierte Achse dreht und in jeder Winkelposition fixiert. Er besteht aus Drehscheibe, Drehlager und Antrieb. Das Drehlager bestimmt Genauigkeit, Steifigkeit und Lebensdauer des Systems.

Was ist der Unterschied zwischen Drehtisch und Rundtisch?

Die Begriffe werden oft synonym verwendet. Ein Rundschalttisch arbeitet mit fester Teilung für getaktete Fertigungsprozesse. Ein CNC-Drehtisch ist frei programmierbar und in jede Winkelposition verfahrbar. In der Praxis hat sich "Drehtisch" als Oberbegriff etabliert.

Welche Lagerung ist für Drehtische am besten geeignet?

Für Präzisionsdrehtische im Maschinenbau sind Vierpunkt-Kugellager und Schrägrollenlager die beste Wahl. Sie nehmen radiale Kräfte, axiale Kräfte und Kippmomente gleichzeitig auf. Franke verwendet gehärtete Kugellaufringe aus Chrom-Silizium-Stahl für maximale Lebensdauer und Laufgenauigkeit.

Kann ein Drehtisch motorisiert werden?

Ja. Franke Drehtische sind mit Flanschkupplung für Motoranbau verfügbar. Vollständig motorisierte Varianten mit Steuerung sind ebenfalls erhältlich. Für spielfreie Hochpräzisionsanwendungen bietet Franke den Direktantrieb Typ LTD mit integriertem Torquemotor an. Direktantriebe koppeln den Motor ohne Getriebe direkt an die Drehscheibe. Das eliminiert Umkehrspiel vollständig und ermöglicht höchste Dynamik und Bahngenauigkeit.

Weitere Begriffe im Franke-Glossar: Wälzlager | Kugellager | Drehverbindung | Direktantrieb