Glossar

Warum Wälzlager?

Wälzlager gehören zu den meistgenutzten Maschinenelementen weltweit. Sie unterstützen und führen rotierende oder schwenkende Bauteile wie Wellen, Achsen oder Räder und übertragen dabei Kräfte zwischen Maschinenkomponenten. Ihr zentraler Vorteil gegenüber anderen Lagertypen liegt in der drastischen Reduktion von Reibung durch rollende Wälzkörper statt gleitender Flächen.

Aufbau eines Wälzlagers

Ein Wälzlager besteht grundsätzlich aus vier Komponenten: dem Innenring, der sich mit der Welle dreht, dem Außenring, der fest im Gehäuse sitzt, den Wälzkörpern – also Kugeln oder Rollen –, die zwischen den Ringen abrollen, sowie dem Käfig, der die Wälzkörper in gleichmäßigem Abstand hält und ein Zusammenlaufen verhindert.

Je nach Wälzkörpergeometrie unterscheidet man zwischen Kugellagern (punktförmige Berührung – ideal für hohe Drehzahlen und leichte Lasten) und Rollenlagern (linienförmige Berührung – ideal für hohe Radiallasten bei moderaten Drehzahlen).

Wälzlager vs. Gleitlager – der entscheidende Unterschied

Die Alternative zum Wälzlager ist das Gleitlager, bei dem zwei Flächen direkt aufeinandergleiten. In vielen Anwendungen haben Wälzlager dabei klare Vorteile:

EigenschaftWälzlagerGleitlager
Anlaufreibungsehr geringhoch
Schmierungsbedarfgeringhoch
Eignung für hohe Drehzahlensehr guteingeschränkt
Bautiefegeringgrößer
Austauschbarkeit (Normung)standardisiert (DIN/ISO)meist individuell
Geräuschentwicklunggeringabhängig vom Schmierfilm

Besonders der geringe Anlaufwiderstand macht Wälzlager zur ersten Wahl in Anwendungen, bei denen Energieeffizienz und schnelle Reaktion entscheidend sind.

Die wichtigsten Vorteile von Wälzlagern

Geringe Reibung und hohe Energieeffizienz

Da Wälzkörper rollen statt gleiten, entsteht deutlich weniger Wärme und Verschleiß. Das reduziert den Energieverbrauch der gesamten Maschine und verlängert die Lebensdauer der Lagerung erheblich. Der Wirkungsgradvorteil gegenüber Gleitlagern beträgt je nach Anwendung mehrere Prozentpunkte.

Hohe Belastbarkeit – radial und axial

Wälzlager können je nach Bauform sowohl radiale als auch axiale Kräfte oder Kombinationen davon aufnehmen. Schrägkugellager und Kegelrollenlager sind speziell für kombinierte Lastfälle ausgelegt und ermöglichen damit eine kompakte, steife Lagerung auch bei wechselnden Belastungen.

Präzision und ruhiger Lauf

Dank normierter Fertigungstoleranzen nach DIN 620 / ISO 492 laufen Wälzlager äußerst präzise und geräuscharm. Das ist besonders wichtig in Werkzeugmaschinen, der Medizintechnik oder Messtechnik, wo Positioniergenauigkeit und Laufruhe direkte Auswirkungen auf das Arbeitsergebnis haben.

Einfache Montage und Austauschbarkeit

Wälzlager sind als genormte Bauteile weltweit austauschbar. Das senkt Wartungskosten und minimiert ungeplante Stillstandzeiten, da Ersatzlager kurzfristig beschaffbar sind.

Breites Einsatzspektrum bei Temperatur und Schmierung

Je nach Ausführung können Wälzlager mit verschiedenen Schmierstoffen (Fett, Öl, Festschmierstoff) betrieben werden – auch bei extremen Temperaturen, unter Vakuumbedingungen oder im Reinraum. Spezielle Beschichtungen und Werkstoffe erweitern das Einsatzspektrum weiter.

Typische Einsatzbereiche von Wälzlagern

Wälzlager finden sich in nahezu allen Bereichen der Technik:

  • Maschinenbau & Automation – Robotergelenke, Vorschubachsen, Drehtische
  • Fahrzeugbau – Radlager, Getriebe, Lenksäulen
  • Medizintechnik – CT-Scanner, Operationsroboter, Laborgeräte
  • Intralogistik – Förderrollen, fahrerlose Transportsysteme (FTS/AGV)
  • Energietechnik – Windkraftanlagen, Turbinen, Generatoren
  • Verpackungsmaschinen – Schnell laufende Quersiegeleinheiten, Förderachsen

Die Wahl des richtigen Lagertyps hängt dabei von Faktoren wie Drehzahl, Last, Bauraum, Temperatur und Schmierungsbedingungen ab. Franke berät Sie dabei gerne individuell.

Frankes Ansatz: Das Drahtwälzlager

Als Spezialist für individuelle Lösungen entwickelt Franke Wälzlager, die über den Standard hinausgehen. Das Prinzip des Drahtwälzlagers ermöglicht es, Lagerringe direkt in die Konstruktion des Kunden zu integrieren: Vier in das Bauteil eingelegte Stahldrähte übernehmen die Funktion des Innen- oder Außenrings. Das spart Gewicht, Bauraum und Kosten – ohne Abstriche bei Präzision oder Tragfähigkeit.

Mehr zum Drahtwälzlager-Prinzip | Produktübersicht Wälzlager

Häufige Fragen zu Wälzlagern

Was ist ein Wälzlager und wie funktioniert es?

Ein Wälzlager ist ein Maschinenelement, das rotierende oder schwenkende Bauteile führt und dabei Lasten überträgt. Es besteht aus Innenring, Außenring, Wälzkörpern (Kugeln oder Rollen) und einem Käfig. Die Wälzkörper rollen zwischen den Ringen ab – das reduziert die Reibung gegenüber gleitender Lagerung erheblich und ermöglicht hohe Drehzahlen bei geringem Energieverlust.

Was ist der Unterschied zwischen Kugellager und Rollenlager?

Kugellager nutzen Kugeln als Wälzkörper. Der Kontakt zwischen Kugel und Laufbahn ist punktförmig, was geringe Reibung und hohe Drehzahlen ermöglicht – bei moderater Tragfähigkeit. Rollenlager verwenden zylindrische, kegelförmige oder nadelförmige Rollen. Der Kontakt ist linienförmig, was eine deutlich höhere Radiallast bei niedrigeren Drehzahlen erlaubt.

Wie wird die Lebensdauer eines Wälzlagers berechnet?

Die nominelle Lebensdauer (L10h) wird nach DIN ISO 281 berechnet. Sie gibt an, wie viele Betriebsstunden 90 % einer gleichartig belasteten Lagermenge mindestens erreicht. In der Praxis hängt die tatsächliche Lebensdauer stark von Schmierung, Einbauqualität, Lagerluft, Sauberkeit und den konkreten Betriebsbedingungen ab. Franke bietet dafür ein eigenes Online-Berechnungstool an.

Wann sollte ich ein Wälzlager wählen und wann ein Gleitlager?

Wälzlager sind die erste Wahl bei häufigem Anlauf und Stillstand, hohen Drehzahlen, geringem Schmierungsbedarf und dem Wunsch nach standardisierten, einfach austauschbaren Bauteilen. Gleitlager eignen sich eher für sehr hohe Dauerlasten bei konstanter Drehzahl, extrem hohe Stoßbelastungen oder wenn der verfügbare Bauraum eine sehr geringe Bautiefe in radialer Richtung erfordert.

Welche Schmierstoffe werden für Wälzlager verwendet?

Die häufigsten Schmierstoffe für Wälzlager sind Fette (einfach zu handhaben, lange Nachschmierintervalle) und Öle (besser für sehr hohe Drehzahlen oder Wärmeabfuhr). In Spezialanwendungen kommen Festschmierstoffe wie PTFE oder MoS₂ zum Einsatz – etwa in Vakuumumgebungen, bei extremen Temperaturen oder im Reinraum, wo flüssige Schmierstoffe nicht zulässig sind.

Weitere Begriffe im Franke-Glossar: Kugellager | Rollenlager